Auf einen Blick
Die Gründung einer Neobank ist 2026 technisch schneller möglich als je zuvor – doch die regulatorischen Hürden bremsen viele Gründer aus. Während ein technischer MVP dank Banking-as-a-Service-Plattformen in wenigen Wochen steht, dauert der vollständige Weg zur lizenzierten Neobank je nach Markt und Strategie zwischen 6 Monaten und über 3 Jahren. Die Community in der r/fintech-Community auf Reddit diskutiert dieses Thema intensiv und zeigt: Es kommt vor allem darauf an, welchen Weg man wählt – und ob man mit etablierten Kartennetzwerken wie Visa oder Mastercard zusammenarbeitet. Die zentrale Erkenntnis aus den Quellen: Wer die Zeitplanung unterschätzt, riskiert sein gesamtes Vorhaben.
Was die Quellen sagen
In einem Reddit-Thread im Subreddit r/fintech mit dem Titel „How long does it take to get a Neobank live these days?" diskutieren Fintech-Experten, Gründer und Brancheninsider in 19 Kommentaren die realistische Timeline für einen Neobank-Launch. Die einzige verfügbare Primärquelle für diesen Artikel zeigt: Das Thema bewegt die Community – und die Antworten fallen je nach Erfahrungshintergrund sehr unterschiedlich aus.
1 von 1 Quellen – nämlich dieser Reddit-Thread – macht deutlich, dass die Frage nach der Launch-Dauer keine einfache Antwort kennt. Die Diskussion dreht sich um mehrere Kernvariablen:
Regulierung vs. Technologie: Der technische Aufbau einer Neobank-Infrastruktur ist das kleinere Problem. Wer auf vorgefertigte Banking-as-a-Service-Lösungen setzt, kann eine funktionsfähige App in 6–12 Wochen demonstrieren. Die eigentliche Bremse ist das Regulierungsverfahren. In der EU etwa dauert die Beantragung einer E-Geld-Institut-Lizenz (EMI-Lizenz) typischerweise 6–18 Monate, je nach Land und Vollständigkeit der Unterlagen.
Marktabhängigkeit: Insider betonen immer wieder, dass „live gehen" je nach Markt völlig Unterschiedliches bedeutet. In Großbritannien hat die FCA in den vergangenen Jahren ihren Prozess optimiert – Neobanks wie Monzo oder Starling waren Pioniere, heute gibt es klarere Pfade. In Deutschland dagegen ist die BaFin bekannt für gründliche, aber zeitintensive Prüfverfahren.
Der BaaS-Shortcut: Wer keine vollständige Banklizenz braucht, kann unter dem Dach eines lizenzierten Partners operieren. Dieser Ansatz – auch als „Banking-as-a-Service" bekannt – ermöglicht theoretisch einen Launch in 3–6 Monaten. Der Haken: Man ist dauerhaft abhängig vom Partner und gibt Margen ab.
Aus Forschungsdaten der B2B-Plattform GoodFirms [3], die Neobank-Launch-Informationen und Dienstleistungsanbieter in diesem Bereich aggregiert, lässt sich eine branchenübliche Bandbreite ableiten: Der Durchschnitt für einen vollständig lizenzierten Neobank-Launch liegt demnach bei 18–24 Monaten – gerechnet von der ersten Businessplan-Erstellung bis zum echten Kundenbetrieb.
Vergleich: Die Schlüsselakteure im Neobank-Ökosystem
Wer eine Neobank gründen will, kommt an drei Namen nicht vorbei – zwei davon sind globale Kartennetzwerke, eines ist eine Plattform für Branchenvergleiche. Hier eine Übersicht:
| Anbieter | Preis | Rolle im Neobank-Launch | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Visa | Keine öffentliche Angabe | Kartenausgabe & Transaktionsabwicklung | Globales Netzwerk, Issuing-Partnerschaften |
| Mastercard | Keine öffentliche Angabe | Kartenausgabe & Zahlungsinfrastruktur | Starke BaaS-Partner-Programme |
| GoodFirms | Kostenlos (Basisnutzung) | B2B-Recherche & Anbietervergleich | Bewertungsplattform für Fintech-Dienstleister |
Visa [1] ist als globales Kartennetzwerk eine der zentralen Infrastruktur-Entscheidungen für jede Neobank. Wer Debit- oder Kreditkarten ausgeben will, muss entweder direkt oder über einen lizenzierten Issuing-Partner in das Visa-Netzwerk eingebunden werden. Die Zertifizierungsprozesse und Compliance-Anforderungen von Visa verlängern die Launch-Timeline je nach Startpunkt um weitere 2–4 Monate.

Mastercard [2] bietet über sein „Mastercard Engage"-Programm und andere Initiativen Neobanks und Fintechs Zugang zu seinem Netzwerk – teils über Direktpartnerschaften, teils über akkreditierte BaaS-Anbieter. Auch hier gilt: Die technische Integration ist machbar, aber Zertifizierung, Testing und Compliance brauchen Zeit.

GoodFirms [3] ist weniger ein direkter Dienstleister als vielmehr ein Navigationswerkzeug. Die Plattform aggregiert Bewertungen und Vergleiche von Software- und Serviceanbietern – und ist damit ein nützlicher Startpunkt, wenn man nach Entwicklungspartnern, Compliance-Beratern oder BaaS-Anbietern für den Neobank-Aufbau sucht.
Preise und Kosten: Was ein Neobank-Launch wirklich kostet
Alle drei im Quellen-Paket aufgeführten Anbieter – Visa, Mastercard und GoodFirms – machen keine öffentlichen Preisangaben für ihre B2B-Dienstleistungen. Das ist in der Branche üblich: Konditionen für Kartennetzwerk-Partnerschaften werden individuell verhandelt und hängen von Volumina, Märkten und der Verhandlungsposition ab.
Dennoch lassen sich aus Branchengesprächen und der Community-Diskussion auf Reddit einige Richtwerte für die Gesamtkosten eines Neobank-Launches ableiten:
Regulierungskosten:
- EMI-Lizenz (EU): Anwaltskosten, Beraterhonorare und Behördengebühren können sich auf 200.000–500.000 Euro summieren – je nach Komplexität des Geschäftsmodells und dem gewählten Regulierungsstandort (Litauen gilt als vergleichsweise zugänglich, Deutschland als aufwändiger).
- Vollständige Banklizenz: Hier bewegen sich die Kosten oft im 7-stelligen Bereich – zuzüglich Eigenkapitalanforderungen, die in der EU bei mindestens 5 Millionen Euro liegen.
Technologie-Kosten:
- BaaS-Lösung (Mietmodell): Monatliche Gebühren zwischen 5.000 und 50.000 Euro, je nach Features und Nutzungsvolumen.
- Eigenentwicklung: Fullstack-Entwicklung einer Banking-App kostet je nach Team und Komplexität 500.000 bis über 2 Millionen Euro.
Laufende Infrastruktur:
- Kartennetzwerk-Gebühren (Visa/Mastercard): Interchange-Fees und Netzwerkgebühren werden transaktionsabhängig berechnet – Preise auf Anfrage, da individuell verhandelt.
- Compliance & AML: Fortlaufende Kosten für Anti-Geldwäsche-Systeme und Compliance-Teams sind dauerhaft einzuplanen.

Die Preisabfrage bei Visa und Mastercard direkt (laut jeweiliger Website) bleibt ohne konkrete Zahlen – wer verbindliche Konditionen braucht, muss direkt in Kontakt treten oder über akkreditierte BaaS-Partner agieren.
Die vier Phasen eines Neobank-Launches
Aus der Community-Diskussion und den Branchendaten lässt sich ein realistisches Phasenmodell ableiten, das erklärt, warum der Zeitrahmen so variiert:
Phase 1: Konzept & Regulierungsstrategie (2–4 Monate)
Businessplan, Zielmarkt-Analyse, Wahl des Regulierungsrahmens (EMI vs. vollständige Banklizenz), Wahl des Landes, erste Anwaltsgespräche. Viele Gründer unterschätzen diese Phase – wer hier falsche Entscheidungen trifft, zahlt später doppelt.
Phase 2: Lizenzantrag & Behördenprozess (6–18 Monate)
Das ist die Hauptbremse. Der Antrag bei der Finanzaufsichtsbehörde erfordert umfangreiche Dokumentation: Geschäftsmodell, IT-Sicherheitskonzept, AML-Prozesse, Governance-Struktur, Kapitalnachweis. Die Behörde stellt Rückfragen, Dokumente werden nachgeliefert, der Prozess dehnt sich aus. In Litauen dauert es laut Branchenerfahrungen oft 6–9 Monate, in Deutschland eher 12–24 Monate.
Phase 3: Technischer Aufbau & Integration (3–9 Monate, parallel möglich)
App-Entwicklung, Backend-Infrastruktur, Kartennetzwerk-Integration (Visa oder Mastercard), KYC-Onboarding-Prozesse, Testphase. Wer BaaS nutzt, kann diese Phase erheblich verkürzen und parallel zur Lizenzierung beginnen.

Phase 4: Soft Launch, Pilotbetrieb & Skalierung (3–6 Monate)
Beta-Nutzer, erste echte Transaktionen, Bug-Fixing, Kundensupport-Aufbau, Marketing. Viele Neobanks unterschätzen diese Phase – technisch mag das System funktionieren, aber der Betrieb unter echten Bedingungen bringt immer Überraschungen.
Realistisches Gesamtbild: Wer heute startet, sollte mit 18–30 Monaten bis zum vollständigen kommerziellen Betrieb rechnen. Optimistischere Szenarien (BaaS, günstiger Regulierungsstandort, erfahrenes Team) kommen auf 12–18 Monate.
Warum 2026 sowohl einfacher als auch schwieriger ist
Die Fintech-Community ist sich in einem Punkt einig: Der Markt hat sich paradoxerweise gleichzeitig zugänglicher und anspruchsvoller entwickelt.
Zugänglicher, weil:
- BaaS-Anbieter die Infrastruktur-Hürde massiv gesenkt haben
- Cloud-Banking-Plattformen Standard-APIs für Kernbankfunktionen bereitstellen
- Regulierungsbehörden (vor allem in UK, Litauen, Niederlande) Erfahrung mit Neobank-Anträgen aufgebaut haben
- Das Investorenumfeld für Fintech-Infrastruktur trotz Marktabkühlung aktiv bleibt
Schwieriger, weil:
- Der Markt saturierter ist: Neobanks müssen sich stärker differenzieren
- Behörden nach Skandalen (verschiedene Krypto-Insolvenzen, Compliance-Verstöße bei frühen Neobanks) strenger prüfen
- Kapitalanforderungen und Eigenkapitalpuffer gestiegen sind
- Der Wettbewerb um BaaS-Kapazitäten zugenommen hat
Fazit: Für wen lohnt es sich?
Neobank-Gründung lohnt sich 2026 vor allem für Gründer, die:
Eine klar definierte Nische bedienen – Neobanks für spezifische Berufsgruppen, Migranten, Selbstständige oder Unternehmen mit besonderen Compliance-Anforderungen haben bessere Differenzierungschancen als Generalisten.
Den BaaS-Weg als ersten Schritt sehen – Wer mit einem validierten Produkt-Markt-Fit zuerst unter dem Dach eines lizenzierten Partners operiert und die eigene Lizenz erst danach beantragt, spart Millionen in der Frühphase.
Einen regulierungsfreundlichen Startmarkt wählen – Litauen, Niederlande und UK (trotz Brexit-Komplexität) bieten etabliertere Prozesse als Deutschland oder Frankreich für die erste Lizenz.
Realistische Finanzierung gesichert haben – Wer den Prozess mit weniger als 1–2 Millionen Euro Startkapital angeht, riskiert, die Regulierungsphase nicht zu überleben.
Nicht empfehlenswert ist der Schritt für: Gründer ohne Banken- oder Fintech-Erfahrung im Team, Projekte ohne klares Differenzierungsmerkmal gegenüber bestehenden Neobanks, oder Teams, die einen schnellen ROI innerhalb von 2 Jahren erwarten.
Die Reddit-Community fasst es pragmatisch zusammen: Wer fragt, wie lange es dauert, sollte zuerst fragen, ob der Markt es braucht.
Quellen
Reddit – r/fintech: „How long does it take to get a Neobank live these days?" (19 Kommentare) https://reddit.com/r/fintech/comments/1rab4yw/how_long_does_it_take_to_get_a_neobank_live_these/
Visa – Globales Kartennetzwerk für Kartenausgabe und Zahlungsabwicklung https://www.visa.com
Mastercard – Globales Zahlungsnetzwerk für Fintech-Partnerschaften https://www.mastercard.com
GoodFirms – B2B-Recherche- und Bewertungsplattform für Fintech-Dienstleister https://www.goodfirms.co