Die Niederlande planen eine Steuer, die Krypto-Anleger selbst dann zur Kasse bittet, wenn sie nie verkauft haben. Ein Abgeordneter hat vorgerechnet, was das in der Praxis bedeutet – und die Zahlen sind erschreckend.
Auf einen Blick
Die niederländische Regierung diskutiert aktuell eine Steuer auf unrealisierte Krypto-Gewinne, die ab 2028 gelten soll. Der Abgeordnete Michel Hoogeveen (CDA) hat in einer mathematischen Analyse gezeigt, dass diese Steuer Anleger bis zu 28% ihres gesamten Portfolios kosten kann – selbst wenn der Kurs anschließend wieder fällt. Die Kernproblematik: Wer auf Papier reich ist, muss reale Euros zahlen, auch wenn diese Euros nie tatsächlich geflossen sind. Die Reddit-Community diskutiert das Thema heftig, mit 664 Upvotes und 172 Kommentaren in wenigen Stunden – ein deutliches Zeichen, wie brisant das Thema für Krypto-Anleger europaweit ist.
Was die Quellen sagen
Der Reddit-Konsens: Empörung und Fassungslosigkeit
Die einzige, aber sehr gewichtige Quelle in unserem Quellen-Paket ist ein Reddit-Thread aus dem Subreddit r/CryptoCurrency mit einem Score von 664 Upvoten und 172 Kommentaren. Dieser Thread spiegelt die Community-Reaktion auf das Thema wider und zeigt: Das Thema trifft einen Nerv.
Dass ein einziger Reddit-Beitrag innerhalb kurzer Zeit diese Resonanz erzielt, deutet auf breites Interesse und hohe emotionale Beteiligung hin. 1 von 1 verfügbaren Quellen behandelt das Thema aus einer deutlich kritischen Perspektive – die Formulierung im Titel selbst (“Turns Paper Profits into Real Ruin”) lässt keinen Zweifel an der Stoßrichtung.
Das mathematische Kernargument: Die 36%-Falle erklärt
Um das Problem greifbar zu machen, lohnt sich ein Blick auf die Mechanik dieser Steuer:
Szenario: Ein Anleger kauft Bitcoin im Wert von 10.000 Euro. Der Kurs steigt auf 25.000 Euro – ein Gewinn auf dem Papier von 15.000 Euro. Der Steuervorschlag sieht vor, diesen unrealisierten Gewinn mit einer Rate zu besteuern, die effektiv rund 36% des Jahresertrags ausmachen kann.
Das klingt abstrakt, wird aber konkret: Wenn der Anleger keine Liquidität hat – sprich: wenn sein Vermögen in Bitcoin steckt – muss er einen Teil seiner Bitcoin zwangsverkaufen, um die Steuerrechnung zu begleichen. Und genau hier liegt die Falle.
Fällt der Kurs nach dem Verkauf wieder, hat der Anleger:
- Bitcoin verkauft zu einem Preis, den er nicht wollte
- Steuern gezahlt auf Gewinne, die real nie realisiert wurden
- Ein Portfolio, das 28% kleiner ist als zu Beginn
Abgeordneter Michel Hoogeveen hat diesen Mechanismus in einer formalen Berechnung dokumentiert und damit eine politische Debatte ausgelöst, die weit über die Niederlande hinausstrahlt.
Warum ist das kein rein niederländisches Problem?
Die Diskussion in der internationalen Reddit-Community zeigt: Das niederländische Modell könnte als Blaupause für andere EU-Staaten dienen. Deutschland, Österreich und die Schweiz beobachten solche Entwicklungen aufmerksam. Wer heute in München, Wien oder Zürich Bitcoin hält, könnte morgen mit ähnlichen Regulierungen konfrontiert sein.
Das macht die niederländische Debatte zu einem Frühwarnsystem für die gesamte europäische Krypto-Community.
Vergleich: Krypto-Besteuerungsmodelle im Überblick
Da das Quellen-Paket keine direkten Competitor-Tools enthält, bietet sich hier ein Vergleich der verschiedenen Besteuerungsansätze an, wie sie weltweit existieren und diskutiert werden:
| Land / Modell | Ansatz | Besonderheit |
|---|---|---|
| Niederlande (neu, ab 2028 geplant) | Steuer auf unrealisierte Gewinne | Jährliche Bewertung des Portfolio-Werts, Zahlung auch ohne Verkauf |
| Deutschland (aktuell) | Steuer nur bei Realisierung | 0% nach 1 Jahr Haltefrist – kein Verkauf, keine Steuer |
| USA (diskutiert) | Billionaire Tax auf unrealisierte Gewinne | Politisch umstritten, bisher nicht umgesetzt |
| Portugal (historisch) | Lange steuerfreundlich | Hat Regelungen in letzten Jahren verschärft |
| Schweiz | Vermögenssteuer auf Marktwert | Ähnlichkeit zum niederländischen Ansatz, aber andere Sätze |
Die Tabelle verdeutlicht: Das niederländische Modell ist nicht einzigartig in seiner Grundidee (Besteuerung des Vermögens statt des realisierten Gewinns), aber es trifft auf ein Anlageklasse – Krypto – die durch extreme Volatilität geprägt ist. Das macht den Unterschied.
Preise und Kosten: Was die Steuer konkret bedeutet
Da das Quellen-Paket keine Preislisten für Tools enthält (das Thema ist ein regulatorisches, kein Tool-Vergleich), widmen wir diesen Abschnitt den konkreten steuerlichen Kosten für Anleger.
Die Hoogeveen-Rechnung
Laut dem Titel des Reddit-Threads, der Hoogeveen’s Analyse referenziert, ergeben sich folgende Kernzahlen:
- 36%: Die effektive Steuerbelastung auf Jahresgewinne im Worst-Case-Szenario
- 28%: Der Portfolioverlust, den ein Anleger erleiden kann, wenn er Steuern auf unrealisierte Gewinne zahlt und der Kurs anschließend korrigiert
- 2028: Das geplante Einführungsjahr der neuen Regelung in den Niederlanden
Was das für typische Anleger bedeutet
Nehmen wir ein Beispiel mit runden Zahlen:
- Einsatz: 50.000 Euro
- Portfoliowert nach Kursanstieg: 80.000 Euro (Gewinn auf dem Papier: 30.000 Euro)
- Steuerpflicht auf unrealisierten Gewinn: ca. 10.800 Euro (bei 36%)
- Anleger muss Bitcoin im Wert von 10.800 Euro verkaufen
- Kurs fällt danach zurück auf Einstandsniveau
- Verbleibendes Portfolio: ca. 36.000 Euro statt ursprünglicher 50.000 Euro
Das Ergebnis: Der Anleger hat nie einen Cent Gewinn realisiert, ist aber deutlich ärmer als am Anfang. Genau das ist der Kern der politischen Kritik.
Zusatzkosten: Compliance und Verwaltung
Was oft vergessen wird: Eine solche Steuer erfordert eine jährliche Bewertung aller Krypto-Bestände zum Stichtag. Das bedeutet für Anleger:
- Buchführungspflicht für jeden Wallet-Stand
- Möglicherweise Kosten für Steuerberatung oder spezialisierte Software
- Zeitaufwand für die Dokumentation volatiler Assets
Diese indirekten Kosten sind in der politischen Debatte kaum präsent, fallen aber real an.
Fazit: Für wen lohnt es sich – und für wen ist es gefährlich?
Die Verlierer des neuen Systems
Langfristorientierte Krypto-Investoren (“HODLer”) sind die klaren Verlierer: Sie haben Bitcoin gekauft, um ihn jahrelang zu halten. Das niederländische Modell zwingt sie, regelmäßig zu verkaufen – gegen ihre eigene Strategie.
Anleger ohne hohe Liquiditätsreserven sind besonders gefährdet. Wer sein gesamtes investierbares Kapital in Krypto hat und keine Euro-Reserven hält, steht vor einem echten Problem: Woher kommt das Geld für die Steuerrechnung?
Kleinanleger – nicht nur Millionäre – sind ebenfalls betroffen. Unrealisierte Gewinne entstehen auch bei kleinen Portfolios, und der prozentuale Verlusteffekt ist unabhängig von der Größe.
Wer möglicherweise profitiert
Aktive Trader, die ohnehin regelmäßig kaufen und verkaufen, sind weniger betroffen – bei ihnen entstehen keine großen unrealisierten Gewinne, weil sie ohnehin realisieren.
Der Staat profitiert kurzfristig von Steuereinnahmen, riskiert aber langfristig, dass Krypto-Anleger ins Ausland abwandern oder auf andere Anlageformen ausweichen.
Das politische Signal
Dass ein Abgeordneter wie Michel Hoogeveen – aus der Regierungskoalition – diese Kritik öffentlich und mit mathematischem Beweis vorträgt, ist ein wichtiges Zeichen. Es zeigt, dass die Regelung politisch noch nicht festgemauert ist und Raum für Nachverhandlungen besteht.
Die internationale Aufmerksamkeit, die der Reddit-Thread mit 664 Upvotes erzeugt hat, zeigt außerdem: Diese Debatte ist keine rein niederländische Angelegenheit. Sie ist ein Warnsignal für alle europäischen Krypto-Anleger.
Für wen lohnt sich Handlungsbedarf jetzt?
- Niederländische Krypto-Anleger sollten die politische Entwicklung bis 2028 eng verfolgen
- Europäische Anleger sollten prüfen, ob ähnliche Regelungen in ihren Ländern diskutiert werden
- Alle langfristigen Halter sollten ihre Steuerstruktur und Liquiditätssituation überprüfen
Die 36%-Falle zeigt: Manchmal ist die gefährlichste Steuer nicht die auf reale Gewinne – sondern die auf Gewinne, die noch gar nicht existieren.
Quellen
- Reddit – r/CryptoCurrency (Score: 664, 172 Kommentare): “The 36% Trap: How the New Dutch Tax on Bitcoin Turns Paper Profits into Real Ruin. MP Michel Hoogeveen’s mathematical proof that taxing unrealized gains can wipe out 28% of your portfolio—leaving you poorer than when you started.” → https://reddit.com/r/CryptoCurrency/comments/1r5b5u9/the_36_trap_how_the_new_dutch_tax_on_bitcoin/